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Wettbewerb Osram Gelände Planungswettbewerb „Ehemaliges OSRAM-Gelände“ in München

Bauherr ABG Allgemeine Bauträgergesellschaft mbH und Co. Objekt Hellabrunn KG
Standort München
Jahr 2015
Status Entwurf
Architektenteam m8 architekten mit Ursula Pfaffermayr Tovatt architects and planners
Landschaftsarchitekten Jürgen Weidinger
Projektnummer 15277

ISARBlicke ISARPlätze ISARFindlinge

Wie die teils mächtigen Isarfindlinge in den Sandbänken des Isarufers liegen die Wohngebäude auf den und an den Quartiersschollen, zwischen den fließenden Wohnwegen und entlang der Freiraumpassage der „Isarplätze‘‘. Der Nordriegel legt sich wie Strandgut, wie ein gestrandeter mächtiger Baumstamm, schützend um das neu entstandene Wohnquartier. Flaucher und Isar - Inspirationsquelle der städtebaulichen Figur der Neubebauung des ehemaligen OSRAMFirmengeländes.

ISARBlicke

Klar formuliertes Entwurfsziel war von nahezu jedem Standort aus dem Gelände heraus die Isarauen zu spüren und auch zu sehen. Daher die Entscheidung oktogonale Punkthäuser so zu setzen, dass sich gezielt Quartierskanten bzw. -grenzen abzeichnen, sich immer wieder unvorhersehbare Raumbeziehungen ergeben und sich zusätzlich die Blicke auf die Isar und Isarauen von jeder Wohnung bieten.

ISARFindlinge IsarKiesel

Die Gebäude gruppieren sich um die „Sandbänke‘‘ - den privaten Innenhöfen, es entsteht eine klare Hierarchisierung zu den „Flussläufen - den halböffentlichen Quartierswegen und zu den öffentlichen „Isarplätzen‘‘.

ISARPlätze

Es wird die Freiraumpassage „Isarplätze‘‘ entwickelt, die von der Hans-Mielich-Straße bis zur Hellabrunner Straße reicht und an den Aubach und an die Isar anschließt. Die Isarplätze -mit dem Platzraum IsarMarkt | IsarTreibgut | IsarFloßlände | IsarKlänge - schaffen ein Angebot für die Bewohner des Neubauquartiers und die Bewohner der bestehenden Quartiere im Norden und Süden, als verkehrsberuhigter Zugang zum Fluss und als urbaner Aufenthaltsort. Die Aufgabe des Regenwassermanagements wird bei der Gestaltung der Isarplätze in besonderer Weise thematisiert. Regenwasser aus dem Quartier wird über offene, sehr flache Rinnen gesammelt und zu den Isarplätzen geleitet, wo flache Rinnen (mit Fahrrad oder PKW durch fahrbar) das Regenwasser bis in den Auenwald zum Aubach führen. Dieser ökologische Zusammenhang wird in unmittelbarer Nähe der Isar sinnlich erfahrbar gemacht, wird zum Orientierungselement und Identitätsmerkmal des Quartiers. Bäume, Grünfläche und Sitzbänke schaffen Aufenthaltsqualitäten. Es stehen Besucher- und Behindertenstellplätze den Bewohnern zur Verfügung. Die Zufahrten zu den Tiefgaragen queren die Isarplätze in Form einer Verkehrsmischfläche. Von den Isarplätzen führen Wege in das Quartier und erschließen fußläufig oder mit dem Fahrrad die Gebäude. Auf den Schollen, an den Gebäuden werden private Gärten für erdgeschossige Wohnungen angeboten, dazwischen ein nutzbarer Garten mit Spielbereichen. Die Kita erhält einen größeren Kitaaußenbereich. Im Norden wird eine „LIVEWORK-STREET‘‘ in Form einer großzügigen Terrasse für die Gewerbenutzer des erhöhten Erdgeschosses angeboten. Um das Quartiersinnere für Fußgänger und Fahrradfahrer weitgehend freizuhalten wurden die TG-Zufahrten in die Neubauten am Ende der Salierstraße und an der Ecke Hellabrunner- Ludmillastraße integriert. Ziel ist es eine städtische lebendige Raumbeziehung herzustellen, die einlädt sich leicht und sicher zu bewegen, sich mit anderen Menschen zu treffen, im Freien zu spielen, zu verweilen in einer gelassenen Atmosphäre.

Riegel und Punkthäuser:

Der Stadtraum an der Candidstraße geprägt durch hohe Geschwindigkeiten und kurze Verweildauer wird durch den „Riegel‘‘, mit seiner Höhenstaffelung und Zäsuren plastisch belebt, akzentuiert und interpretiert. Das Geländeinnere wird bis zu den Isarauen und der bestehenden Bebauung im Süden durch eine gleichmäßige rhythmisierte Bebauung geprägt. Durch polygonale Punkthäuser, angeordnet zu Gassen gruppiert auf Schollen zu Gärten, entsteht ein weicher, fließender und vielseitiger Raumeindruck. Die Bebauung durch die Oktogone erlauben vielfältige fußläufige Durchwegungen.

Stadttore:

Die Stadttore an der nördlichen Wettbewerbsgrenze entlang der Candidstraße markieren die Zugänge zum Quartier. Das Torgebäude in der Nähe zum Candidplatz weist den Weg zur urbanen Freiraumpassage, mit den Isarplätzen, aus Sicht der Fußgänger auf. Das Stadttorgebäude am westlichen Ende des Quartiers markiert die Stadtgrenze zur Isar und wird mit seinem höheren Volumen seiner stadträumlichen Bedeutung und auch der Perspektive der Autos mit den hoher Geschwindigkeit gerecht.

Wohnungsverteilung

Für die Neubauvariante A werden 381 Wohnplätze für ca. 850 Bewohner auf dem Baugebiet geschaffen. Ein Gemeinschaftshaus wird am Übergang zu den Isarauen angeboten.

Oktogonale Punkthäuser:

Wie der Cube von Alberto Giacometti (1934) als Ausdruck für das Spiel zwischen dem objet trouvé (Findling/ Wurzel/ Strandgut) und dem manipulierten Volumen steht, ist die Form des Oktagons, das Volumen der Punkthäuser, als architektonischer Ausdruck für den widersprüchlichen gleichzeitigen Wunsch nach urbanen, kulturellen sicheren Raum und ungebändigter wilder Natur, als Sinnbild für Transformation und Verfremdung zu verstehen. Die Punkthäuser entlang der Gassen bieten mit Ihren farblich gestalteten Eingangsbereichen und mit ihren ca. 16 Einheiten pro Haus ein gute Orientierungs- und Identifizierungsmöglichkeit. Die Wohnung sind nach Osten Süden und Westen belichtet und haben Sichtbeziehung zu den Isarauen. Die teilweise gesetzten Dachaufbauten erlauben die Anlage privater Dachterrassen. Die privaten Gärten (auf den Schollen, Sandbänken) zwischen den Häusern bieten Gestaltungsraum für die Bewohner.

Wohngebäude an der Candidstraße

Das Wohngebäude ist als geschlossene Lärmschutzbebauung konzipiert, der Baukörper wird durch nach Süden orientierte Balkone der Eckwohnungen plastisch belebt und akzentuiert. Die Balkone werden zur Straßenseite (nach Norden) mit einer Glasfassade als Schallschutzelement geschlossen. Die Gebäude treten ca. 20m von der Straßenkante zurück und erhalten eine zum Ring erhöhte „Live-Workstreet‘‘, die auch für Versorgungs- und Anlieferzwecke genutzt wird. Ein geschwindigkeitsreduzierter räumlicher Puffer zum Mittleren Ring, der zur Adresse der Anwohner wird. Von der „Live-Workstreet‘‘ sind die zweigeschossigen Live Work Units zugänglich. Die Live Work Units bestehen aus einer erdgeschossigen zum Ring orientierten Gewerbeeinheit und einer nach Süden in den Hof orientierten Wohnung im 1.Obergeschoss. Die Wohnungen in den Regelebenen werden über nördliche liegende Laubengänge erschlossen und geben so eine einfache wirkungsvolle Antwort auf den lärmintensiven Verkehr am Mittleren Ring. Die Wohnungen sind nach Süden ausgerichtet.

Kinderkrippe und Kindergarten:

Die Kinderkrippe und der Kindergarten sind an der Nord-Ost-Seite des Wettbewerbsgrundstückes situiert. Sie gruppieren sich um einen großzügigen lärmgeschützten Freibereich im Süden. Die Kinderkrippe und der Kindergarten sind sowohl über die Isarplätze (Isarmarkt) als auch über die Candidstraße erreichbar und vernetzen sich stark mit dem umliegenden Stadtquartier. Die nahe gelegene U-Bahn ist besonders wertvoll für Väter und Mütter die über ÖVNP zur Arbeit gelangen.

Gewerbe:

Die Gewerbeflächen sind als Auftakt der Freiraumpassage (Isarplätze) im Norden in der Nähe der U-Bahn situiert. Die Nutzungen Café; Fitness und auch ein Nahversorger sind in diesem Bereich untergebracht. Im Erdgeschoss des Torhauses am nördlichen Ende der „Freiraumpassage‘‘ kann auch ein „Gesundheitshaus‘‘ mit Fitness entstehen. Zusätzlich wird das Gewerbe durch, dem Wohnen zugeordnete „Live-Work Units ‘‘, entlang der Candidstraße ergänzt.

Stellplätze für Kinderwägen, Fahrräder und Autos

Es werden Abstellräume für Kinderwägen und Fahrräder direkt an den Eingangsfoyers angeboten, auch zusätzlich im Untergeschoss in der Nähe des Aufzuges. Es befindet sich eine Garage entlang der Candidstraße, teils zweigeschossig im UG und EG. Die Parkebene im Erdgeschoss wird von den zwei geschossigen Live Work Units gefasst. Über das Punkthaus am Ende von der Salierstraße werden ca. 65% der Stellplätze erschlossen. Eine weitere Tiefgarage ist im Untergeschoss auf dem südwestlichen Gelände konzipiert, mit Erschließung an der Ecke Hellabrunner- Ludmillastraße. Diese TG nimmt ca. 35% des Stellplatzbedarfes auf. Die notwendigen Fluchtwege werden über die internen Treppenhäuser geführt. Die Garagen werden natürlich belüftet und sind an der Candidstraße natürlich belichtet. Die erdgeschossige Tiefgarage mit den begrünten Wänden kann in naher Zukunft, wenn der Stellplatzbedarf für Autos in den Städten sinkt, vielfältig um genutzt werden.

Lärmschutz für das Bauquartier

Als Lärmschutzriegel dient die rhythmisierte, geschlossene Gebäudefront an der Candidstraße. Das dahinterliegende südliche Wohnquartier einschließlich der differenzierten Freibereiche wird so vom Straßenlärm des mittleren Rings geschützt. Für die Schallschutzbebauung wurde bewusst nicht als geschlossene Front gesetzt, ein horizontal wie vertikal gegliedertes Gebäudevolumen vermittelt, und passt das Volumen auf eine für den Menschen erfassbare Dimension an und vermittelt so keinen hermetischen Eindruck.

Lärmschutz im Wohnriegel an der Candidstraße:

Die Wohnungen sind ca. 20m zur Straße zurückgesetzt. Die Fenster der Wohnungen sind nach Süden ausgerichtet. Die Räume können über die Fenster nach Süden ohne weitere Schallschutzmaßnahmen belüftetet werden. Nach Norden erhalten die Wohnungen als zusätzlichen Lärmschutz einen verglasten Laubengang.

Lärmschutz in den Punkthäusern:

Die zurückversetzten Häuser benötigen keinen weiteren Schallschutz. Die ersten flankierenden Häuser zum Mittleren Ring werden zusätzlich mit Schallgedämmten Fassadenlüftungselementen ausgestattet.

Feuerwehr und Rettung - Vorbeugender Brandschutz

Der Laubengang- bzw. Schallschutzriegel an der Candidstraße erhält ein geschlossenes Treppenhaus mit Laubengängen. Die Anleiterung der Feuerwehr für den 2. Fluchtweg erfolgt über die „LIVE Work Street‘‘ im Norden. Die Punkthäuser werden der Wohnungsaufteilung entsprechend über 3 Fassaden (orientiert zu den Wegen im Quartiersinneren) angeleitert. Die privaten Wohngärten erhalten keine Feuerwehraufstellplätze, und werden so nicht beeinträchtigt.

Abstandsflächen:

Die Abstandsflächen zu den Nachbargrundstücken werden eingehalten. Die Nähe und die Weite der „Wohnkiesel‘‘ untereinander, erzeugen spannungsvolle Raumbeziehungen. Die Grundrissstruktur der Gebäude ist so gewählt, dass die engstellen die Fassaden nicht zu Belichtung herangezogen werden.

Oberflächen Haptik

Die Oberflächen im Quartier aus Sichtmauerwerk, Naturstein, Wiesen und Sand- bzw. Kiesflächen unterstreichen unser Entwurfsmotiv, das sich aus dem Spannungsfeld der Nähe zur der Isar der ungebändigte Kraft - und - dem Bedürfnis nach einem klaren Stadtgefüge ergibt.

Wirtschaftlichkeit:

Durch die durchgängig verwendete Bautypologie von 4 bis 5Spänner haben wir ein gutes Verhältnis zwischen Wohnfläche und BGF. Die Tiefgarage ist zum Teil ebenerdig, dadurch verringern wir die Aushubkosten, max. Unterbauung ein Geschoss. Die gewählten Oberflächen wie z.B. das Sichtmauerwerk der Gebäude bieten eine lange Haltbarkeit und geringe Unterhaltskosten. Das Regenwassermanagement, flache Wasserrinnen und —flächen integriert in die Platz und Wegegestaltung, ist ökologisch wertvoll, es fallen nur geringe Unterhaltskosten an.

Erhalt des ehemaligen OSRAMFirmengebäudes Variante B:

Für die Bebauungsvariante B mit dem ehemaligen OSRAM - Gebäude werden 337 Wohnungen auf dem Baugebiet geschaffen. Das OSRAMgebäude - der größte „Findling‘‘ auf dem Wettbewerbsgelände — wir haben uns entschlossen ihn in seiner städtebaulichen Präsenz vollkommen zu erhalten, nur der geschlossene Fassadenteil im Osten wird durch Fenster ergänzt. Um die bestehenden Fassade zu erhalten, wird im Abstand von ca. 1m eine neue Fassade gebildet, die den heutigen Standards entspricht. Die Bestandsfassade wird Schall und Wetterschutz, in Teilbereichen ist sie durch Schiebeelemente zu öffnen.

Erdgeschossnutzung:

Im Erdgeschoss werden sowohl wohnverträgliche Gewerbeflächen als auch kulturell nutzbare Räume wie z.B. eine „WERK‘‘ Bibliothek angeboten, außerdem Flächen für Café oder Restaurantnutzung. Entsprechend der außergewöhnlichen Wohnsituation ist ein großzügiges Eingangsfoyer geplant. Bestehende Einbauelemente sollen teilweise erhalten bleiben um an die Geschichte des Gebäudes zu erinnern.

Stellplätze:

Die Stellplätze werden im 1.OG untergebracht in unmittelbarer Nähe der Wohnungen. Jeder der Stellplätze ist direkt mit einem Abstellraum verknüpft. Die Stellplätze werden über einen Garagenaufzug erschlossen.

Wohnen ab dem 2.Obergeschoss:

Die Wohnungen orientieren sich nach Osten, Süden und Westen. Im Norden werden wohnungsnahe Büros konzipiert. Alles gruppiert sich um einen zentralen Innenhof, der vielfältige Nutzungen aufnehmen kann und den Bedürfnissen gerecht wird von Spielflächen bis Abstellfläche für Fahrräder, Kinderwägen und z.B. Rollatoren vor der eigenen Wohnung.

Blind

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